Bedeutung der Frühen Förderung und Betreuung im Schweizer Bildungssystem.


3. September 2021, Kursaal in Bern



Alle zwei Jahre findet der Schweizer Bildungstag statt. Er ist die führende bildungspolitische Veranstaltung auf nationaler Ebene, die Entscheidungsträger aus der Bildungspolitik, Wirtschaft, Gesellschaft sowie Lehrerorganisationen zusammenbringt.

Ausgerichtet wird sie gemeinsam vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH und dem Syndicat des Enseignants Romands SER.
 

Rückblick

Die Frühe Förderung und die Tagesstrukturen voranbringen

Qualitativ hochstehend, flächendeckend und finanziell tragbar für Familien – diese Mindeststandards haben LCH und SER am Schweizer Bildungstag für Tagesstrukturen und Angebote der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung eingefordert. Zur Veranstaltung am 3. September 2021 in Bern haben die beiden Lehrerdachverbände wichtige Akteurinnen und Akteure aus Bildung, Politik und Wissenschaft eingeladen.

Die Coronapandemie hat eindrücklich vor Augen geführt, welche bedeutsame Rolle die familien- und schulergänzenden Tagesstrukturen spielen. Die positive Wirkung auf die Entwicklung der Kinder, die Integration und die Chancengerechtigkeit können sie aber nur entfalten, wenn die Betreuung von hoher und nachhaltiger Qualität ist. Diese Qualität muss durch verbindliche Standards für Personal, Angebot und Infrastruktur gesichert werden. Schweizweit gültige Qualitätsrichtlinien braucht es auch für die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE). Diesen Appell haben der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) und das Syndicat des Enseignant∙es Romand∙es (SER) am Schweizer Bildungstag vom 3. September 2021 an Bund und Kantone gerichtet. Die beiden Lehrerdachverbände haben rund 130 Gäste zur Veranstaltung eingeladen, die alle zwei Jahre in Bern stattfindet.

Investitionen in die frühe Förderung lohnen sich

Am diesjährigen Bildungstag kamen führende Vertreterinnen und Vertreter aus Bildung, Politik und Wissenschaft zusammen, um sich zur frühen Förderung und Betreuung im Schweizer Bildungssystem auszutauschen. Nach dem Grusswort von Silvia Steiner, Präsidentin der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), ging Heidi Simoni, Leiterin des Marie Meierhofer Instituts für das Kind (MMI), in ihrem Inputreferat auf die Merkmale guter Angebote in der frühen Kindheit und auf deren positive Langzeitwirkung ein.

Derweil stellte Martin Eichler, Chefökonom des Forschungsinstituts BAK Economics, die Resultate einer Studie zum volkswirtschaftlichen Nutzen von Tagesstrukturen vor. Sein Fazit war eindeutig: Investitionen in den Ausbau der FBBE lohnen sich auch ökonomisch. Anschliessend diskutierten die Teilnehmenden im Plenum und in Kleingruppen, bevor Muriel Langenberger, Gründerin des Swiss Society Lab, die positiven Effekte der Kinderbetreuung durch zusätzliche Investitionen vertiefte. Sie empfahl, zum einen den Prozess der Qualitätsentwicklung in all seinen Facetten zu fördern und zum anderen die Transition zwischen den Systemen zu begleiten.

Tagesstrukturen müssen für alle verfügbar sein

Aus den zwei Schwerpunkten des Bildungstags leiteten LCH und SER ihre Forderungen ab. Das Angebot an familien- und schulergänzenden Tagesstrukturen ist vielerorts zwar vorhanden, aber sehr unterschiedlich ausgebaut. Deshalb verlangen LCH und SER neben der eingangs erwähnten Qualitätssicherung den flächendeckenden Auf- und Ausbau von Tagesstrukturen. Diese müssen allen Schülerinnen und Schülern umd ihren Eltern bedarfsgerecht zur Verfügung stehen. Für die Umsetzung sind die Kantone und Gemeinden verantwortlich.

Auf Ebene der Schule ist es wichtig, dass Tagesstrukturen Teil eines pädagogischen Gesamtkonzepts sind und die Koordination aller Beteiligten in der Regel durch die Schulleitung klar geregelt ist. Von der Infrastruktur her müssen die Innen- und Aussenräume als Lern- und Lebensorte kinderfreundlich und barrierefrei sein. Überdies sollen Tagesstrukturen zu einem für alle Familien tragbaren Preis angeboten werden.

Nationale «Politik der frühen Kindheit» ist notwendig

Die Finanzierung spielt auch bei den Angeboten der FBBE und der frühen Förderung eine Rolle. Obwohl alle Kinder davon profitieren, ist der Nutzen für Kinder aus sozial benachteiligten und fremdsprachigen Milieus überproportional. Deshalb fordern LCH und SER, dass alle Familien unabhängig von ihrem Einkommen oder ihrer Herkunft Zugang zu FBBE-Angeboten haben und der Kostenanteil der Familien verringert wird. Die ersten vier Lebensjahre entscheiden nämlich zu einem grossen Teil, wie erfolgreich ein Kind in der schulischen Laufbahn sein wird. Für mehr Chancengerechtigkeit ist es daher wichtig, dass alle Kinder gute und faire Startbedingungen erhalten.

Gemäss einer kürzlich veröffentlichten Unesco-Studie rangiert die Schweiz aber bei der Verfügbarkeit bezahlbarer, qualitativ hochwertiger Kinderbetreuung auf den hinteren Plätzen. Bund und Kantone müssen deshalb eine koordinierte und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende «Politik der frühen Kindheit» umsetzen. Dazu gehören zum einen die bereits erwähnten Mindeststandards für Personal, Angebote und Infrastruktur von FBBE. Zum anderen braucht es einen flächendeckenden und bedarfsgerechten Ausbau von FBBE-Angeboten wie Kitas oder Spielgruppen. Zuletzt sollen Bund und Kantone die Forschung und Evaluation fördern, indem sie beispielsweise die systematische Erhebung von FBBE-Daten unterstützen.

© Photos: Marc Renaud

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